Wir wissen es alle: Kleine Kinder sind immer wieder krank, durchschnittlich 10-mal pro Jahr. Das liegt daran, dass ihr Immunsystem noch im Aufbau ist.
Selbstverständlich bedürfen kranke Kinder immer spezieller Aufmerksamkeit, Ruhe und Pflege, um zu genesen. Das funktioniert nicht in der Kita, sondern zu Hause im Bett. Oberste Priorität hat das Wohl des Kindes.
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Doch leider sieht die Realität anders aus: Kinder werden während ihres Aufenthalts in der Kita krank, verletzen sich, haben vielleicht chronische Krankheiten oder Allergien. Einige Eltern bringen auch ihr krankes Kind in die Einrichtung, weil sie z. B. keine andere Betreuungsmöglichkeit sehen.
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie sich verhalten, wenn Sie kranke Kinder in der Kita haben, durch welche Maßnahmen Sie die Eltern informieren und wie die Rechtslage aussieht.
Inhalt
1. Kranke Kinder in der Kita
1.1. Häufige Kinderkrankheiten
1.2. Chronische Krankheiten bei Kindern
1.3. Typische Krankheiten im Kindesalter
2. Was sagt das Infektionsschutzgesetz?
2.1. Meldepflicht seitens der Eltern
2.2. Meldepflicht seitens der Kita
3. Kranke Kinder im Kita-Alltag
3.1. Auswirkungen für die Kinder
3.2. Auswirkungen für die Erziehenden
3.3. Auswirkungen für die Eltern
Tipp: Halten Sie sich und Ihre Kollegen auf dem aktuellen Stand über bekannte Infektionen und deren Symptome. Je mehr Sie alle über häufige Krankheiten, Verletzungen und Allergien wissen, umso souveräner sind Sie im Umgang damit. Geben Sie Ihr Wissen und ihre konkreten Praxiserfahrungen also auch an junge Kolleginnen und Kollegen weiter, z. B. in Form eines Workshops.
Was sagt das Infektionsschutzgesetz?
Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) hat zum Ziel, übertragbare Krankheiten frühzeitig zu erkennen, ihnen vorzubeugen und sie einzudämmen, z. B. durch Impfungen, Impfberatungen und Melden bestimmter Infektionen beim Gesundheitsamt.
Es legt also auch fest, welche Krankheiten meldepflichtig sind und fördert die Aufklärung über Krankheiten und wirksame Maßnahmen.
Meldepflicht seitens der Eltern
Die Eltern sind verpflichtet, der Einrichtung zu melden, wenn in der Familie Fälle von meldepflichtigen Krankheiten auftreten, z. B. tropische Krankheiten, Salmonellen oder Parasitenbefall.
Außerdem müssen die Erziehungsberechtigten nachweisen, dass ihr Kind gegen Masern geimpft ist, denn für diese Kinderkrankheit gilt die Impfpflicht!
Für nicht meldepflichtige Krankheiten besteht keine Informationspflicht. Konkret heißt das: Die Eltern können Ihnen mitteilen, welche Symptome das Kind hat, oder einfach sagen, es sei krank. Sie können auch die Unwahrheit sagen und behaupten, das Kind sei fit, und vielleicht sogar mit einem fiebersenkenden Saft am Morgen nachhelfen, damit sie ihren Sohn oder ihre Tochter bei Ihnen abgeben können.
Tipp: Legen Sie in Ihren Regeln und per Aushang fest, dass Ehrlichkeit bei Ihnen neben dem Kindeswohl höchste Priorität hat, und weisen Sie die Eltern bei der Anmeldung auf die Auswirkungen hin, die der Aufenthalt von kranken und infektiösen Kindern in der Einrichtung auf alle Beteiligten hat.
Meldepflicht seitens der Kita
Als Einrichtung müssen Sie meldepflichtige Krankheiten dem Gesundheitsamt mitteilen, sobald Fälle in Ihrer Kita auftreten. Was als meldepflichtige Krankheit gilt, ist teilweise von Bundesland zu Bundesland verschieden. Am Ende des Beitrags finden Sie einen Link zu genaueren Informationen des Robert Koch Instituts.
Kranke Kinder im Kita-Alltag
Wenn Kinder krank in die Kita kommen oder während ihres Aufenthalts in der Einrichtung krank werden, beeinflusst das den Tagesablauf: Sie müssen sich um das betroffene Kind kümmern und die Eltern informieren, damit das Kind abgeholt wird.
Dass Kinder spontan krank werden, ist nicht zu ändern. Allerdings können Sie mit den Eltern vertraglich Hausregeln vereinbaren, die z. B. festlegen,
- wie lange ein Kind symptomfrei sein muss, bevor es wieder in die Kita kommt,
- in welchen Fällen durch ein ärztliches Attest bestätigt werden muss, dass das Kind wieder gesund und nicht mehr ansteckend ist,
- mit welchen Symptomen ein Kind die Kita nicht betreten darf.
Außerdem ist es ratsam, die Eltern präventiv sowohl bei der Anmeldung als auch im laufenden Kita-Alltag mittels Aushängen oder Flyern darüber zu informieren,
- woran man erkennt, dass ein Kind krank ist,
- an welchen Symptomen man verschiedene Erkrankungen erkennt,
- welche Desinfektions- und Hygienemaßnahmen Erkrankungen und Ansteckungen verhindern,
- welche Krankheiten in Ihrer Einrichtung gerade im Umlauf sind.
Am Ende des Beitrags finden Sie Links zu vielen Vorlagen in verschiedenen Sprachen.
Tipp: Je einfacher die Sachverhalte erklärt werden, umso eher erreichen Sie auch Eltern, die Sprachschwierigkeiten haben. Daher bietet sich auch eine Darstellung über Piktogramme an.
Auswirkungen für die Kinder
Für Kinder ist es natürlich anstrengend bis unerträglich, akut krank in der Kita zu sein, statt zu Hause in ihrem Bett zu liegen und in Ruhe zu genesen, denn sie:
- sind schlapp, haben Schmerzen oder Fieberfantasien.
- finden keine Ruhe im trubeligen Kita-Alltag und können nicht gesund werden.
- wollen vielleicht an Aktivitäten teilnehmen, schaffen es aber körperlich nicht.
- werden nicht ausreichend versorgt, weil die Erziehenden das nicht leisten können.
- sind in einer Situation, in der sie ihre Eltern am meisten brauchen, von ihnen getrennt.
Deswegen wird auch jedes kranke Kind nicht nur nach Hause wollen, sondern auch nicht verstehen, warum es im Kindergarten sein muss, wenn es ihm schlecht geht. Es kann sich natürlich auch negativ auf die Bindung zu den Eltern auswirken, wenn das Kind die Erfahrung macht, dass es wiederholt krank in die Kita geschickt wird, obwohl es lieber im Bett bliebe.
Das ist nachvollziehbar. Denn wenn wir Erwachsenen uns hundeelend fühlen, fiebern oder starke Schmerzen haben, möchten wir ja auch nicht unter lauter Menschen an einem Ort außerhalb unserer eigenen vier Wände sein.
Gleichzeitig steigt natürlich auch die Gefahr, dass sich harmlosere Erkrankungen zu bedrohlicheren Krankheitsbildern wie einer Herzmuskel- oder Lungenentzündung auswachsen, wenn die Kinder nicht genug Zeit, Ruhe und Pflege bekommen, um sich vollständig auszukurieren.
Auswirkungen für die Erziehenden
Kranke Kinder sind für die Fachkräfte in einer Kita immer eine Herausforderung und mit Mehrarbeit verbunden. Wer ein krankes Kind auf dem Schoß hat oder ihm in einem ruhigen Raum Gesellschaft leistet, bis es abgeholt wird, kann sich nicht um seine eigentlichen erzieherischen Aufgaben kümmern, sondern wird pflegerisch tätig und kümmert sich nur um ein einziges Kind, während die übrigen von den Kollegen betreut werden. Je mehr kranke Kinder sich zeitgleich in der Gruppe oder Einrichtung befinden, umso problematischer wird die Situation.
Die Betreuung eines kranken Kindes ist auch mit größerer Aufmerksamkeit und Verantwortung verbunden: Wenn ein Kind sich erbricht oder Durchfall hat, muss es gesäubert werden und ausreichend trinken. Sie müssen Fieber messen. Es sind Desinfektionsmaßnahmen erforderlich, um die Verbreitung von Viren oder Parasiten einzudämmen.
Außerdem riskieren die Erziehenden, sich anzustecken und für ein paar Tage selbst auszufallen, was sich negativ auf die gesamte Belegschaft und somit auch auf die betreuten Kinder auswirkt.
Auswirkungen für die Eltern
Für Eltern bedeutet ein erkranktes Kind eine Umorganisation des Alltags. Vielleicht haben sie Termine, sind berufstätig und/oder alleinerziehend, es gibt noch weitere Geschwister oder eine Schwangerschaft.
Einige Eltern haben nicht den Luxus, Verwandte in der näheren Umgebung um Hilfe bitten zu können, oder auch Angst, ihrem Arbeitgeber mitzuteilen, dass sie ein paar Tage zu Hause bleiben müssen.
Manche Eltern wollen vielleicht auch einfach mal ein paar Stunden Freizeit oder ihre Ruhe und geben deshalb auch kranke Kinder in der Kita ab.
Dennoch: Ein krankes Kind hat Priorität! Immer!
Bestehen Sie also darauf, dass kranke Kinder umgehend von ihren Eltern abgeholt werden, und informieren Sie diese ggf. auch über ihre Pflichten als Eltern – und über ihre Rechte als Arbeitnehmer, denn Arbeitgeber müssen Eltern kranker Kinder bis zu 10 Tage im Jahr, Alleinerziehende bis zu 20 Tage im Jahr freistellen. Ob es ihnen gefällt oder nicht.
Praxiseinblick: 6 Fragen an eine pädagogische Fachkraft
Für einen kleinen Einblick in die Praxis hat uns Justus ein paar Fragen zum Thema beantwortet. Er ist pädagogische Fachkraft in einem Kindergarten in Duisburg.
1. Dürfen kranke Kinder in die Kita gehen?
„Nein, offiziell nicht. Die Realität sieht so aus, dass ältere Kinder uns erzählen, dass sie morgens von ihrer Mutter einen Zaubersaft bekommen haben. Und da der nur zwei bis drei Stunden lang wirkt, können wir danach sehen, wie der Zustand des Kindes sich rapide verschlechtert. Dann kontaktieren wir die Eltern, die dann oft zugeben, dass ihr Kind „ein bisschen krank“ sei und es abholen.“
2. Was ist zu tun, wenn ein Kind in der Kita erkrankt oder krank ist?
„Wir kennen unsere Kinder sehr gut, weil wir täglich acht Stunden mit ihnen umgehen. Wenn wir merken, dass es einem Kind schlecht geht, messen wir zuerst Fieber, denn bei Fieber muss das Kind direkt abgeholt werden, da wir keine Pflegeeinrichtung sind. Fiebrige Kinder sind nun mal sehr schlapp und brauchen Pflege.
Folglich kontaktieren wir dann die Eltern, und wenn diese nicht erreichbar oder abkömmlich sind, auch weitere abholberechtigte Personen, falls vorhanden.
Auch wenn ein Kind sich z. B. verschluckt, was ja auch eine Erkrankung ist, leisten wir Erste Hilfe und kontaktieren danach die Eltern, damit das Kind abgeholt und vom Kinderarzt durchgecheckt werden kann. Danach kann das Kind am nächsten Tag natürlich wieder zu uns in die Kita kommen.
Wenn wir merken, dass ein Kind Durchfall hat, lassen wir das Kind beim zweiten Mal auch von den Eltern abholen, denn wir sind keine Ärzte.
Haben wir gerade Scharlach im Haus und sehen, dass ein Kind schlecht drauf ist und eine belegte Zunge hat, gilt dasselbe, und wir bitten die Eltern, dem Kinderarzt auszurichten, dass wir in der Einrichtung gerade Fälle von Scharlach haben. Dann werden alle Zahnbürsten entsorgt und erst später erneuert, damit sich die Krankheit nicht weiter ausbreitet, alle Handtücher gewaschen und vorläufig auch wegen der Ansteckungsgefahr keinen neuen aufgehängt, wir führen Desinfektionsmaßnahmen durch etc. und alles wird mit Chemikalien geputzt.
Auch bei Pöckchen auf dem Körper rufen wir die Eltern an. Masern gelten als ausgerottet, aber Windpocken oder Fieberbläschen kommen natürlich vor.
Wenn ein Kind so verschnupft und verschleimt ist, dass es z. B. zur Mittagsruhe nicht schlafen kann und wir aus dem Naseabputzen nicht mehr herauskommen, rufen wir ebenfalls die Eltern an.
Dann gibt es natürlich noch Knochenbrüche, vor allem bei unseren kleinen Wirbelwinden. Dann kommen sie mit einem eingegipsten Arm oder Bein und die Eltern sagen uns, dass das Kind nicht rennen und toben darf, sondern am Tisch sitzenbleiben soll. Und dann versuchen wir, das Kind acht Stunden lang anderweitig zu beschäftigen, und werden somit auch pflegerisch aktiv. Das klappt natürlich nicht lange, weil das Kind dasselbe machen will wie die anderen und wir es nicht stundenlang davon abhalten können – vor allem nicht, wenn es ein Kind mit hohem Bewegungsdrang ist, das überall draufklettert, und das sind nun einmal die, die sich am häufigsten verletzen. Und dann rennt und stürzt es oder stößt sich. Wir rufen die Eltern an, die dann uns die Schuld geben, weil wir nicht aufgepasst haben. Aber auf die Idee, ihr Kind ein paar Wochen nicht zu uns zu bringen, kommen sie meistens nicht.“
3. Welche Informationspflichten haben Eltern und Kita bei Erkrankungen?
„Wir informieren die Eltern über einen Aushang in fünf verschiedenen Sprachen (deutsch, englisch, arabisch, türkisch und russisch) darüber, welche Krankheiten aktuell in der Kita rumgehen, mit dem Datum, an dem die Krankheit erstmals aufgetreten ist. Wenn die Krankheit überwunden ist, melden wir das nicht extra, sondern streichen sie vom Aushang.
Viele Krankheiten breiten sich aus, weil sich andere Kinder und natürlich auch Mitarbeiter anstecken, und sie stellen z. T. eine Gefahr für werdende Mütter dar, die dann nicht mehr in die Kita kommen. Daher machen wir auch Meldung beim Gesundheitsamt, wenn bei uns Fälle von meldepflichtigen Krankheiten auftreten.
Für die Eltern gilt auch Informationspflicht. Sie müssen beispielsweise nachweisen, dass ihre Kinder gegen Masern geimpft sind. Ich persönlich habe noch nie einen Fall von Masern erlebt und kenne auch sonst niemanden, der die Erfahrung gemacht hat.
Ansonsten sind die Eltern nicht verpflichtet, uns zu sagen, was das Kind konkret hat. Viele sagen einfach, es sei krank. Andere teilen uns mit, ihr Kind habe Fieber oder Durchfall und bleibe erstmal zwei Tage zu Hause. Und das ist richtig, denn wir haben in unserem Vertrag einen Zeitraum von 48 Stunden für die Symptomfreiheit festgelegt. Vor Ablauf der 48 Stunden dürfen die Kinder nicht wieder in die Kita kommen. Aber in der Praxis entscheiden die Eltern selbst: Sie können schweigen, ehrlich sein oder auch behaupten, das Kind sei bereits seit zwei Tagen ohne Fieber, Durchfall usw., z. B. nach dem Wochenende.
Aufgrund des Infektionsschutzgesetzes sind die Eltern vertraglich verpflichtet, uns bekanntzugeben, falls tropische Krankheiten, Parasiten oder andere meldepflichtige Krankheiten bei ihnen oder ihren Kindern auftreten.
In der Realität sieht es leider oft anders aus: Die Kinder kommen mit Läusen oder Krätze in die Einrichtung. Vor zwei Jahren hatten wir einen Fall, der sich über ein ganzes Jahr gezogen hat. Das Kind hatte einfach immer Läuse und die Mutter erzählte uns jedes Mal, es habe sich woanders angesteckt. Als das Gesundheitsamt eingeschaltet wurde, stellte sich heraus, dass ein Fall von Verwahrlosung vorlag, offiziell „Sozialfall“ genannt. Es gab auch schon länger Korrespondenz mit dem Jugendamt.
Während dieses Jahres haben sich natürlich immer wieder Kinder und auch Mitarbeiter angesteckt. Zeitweise waren ganze Gruppen geschlossen, wir mussten immer wieder alle Möbel und Spielzeuge desinfizieren, alles, was aus Stoff war, auf 60° waschen oder entsorgen. Das war der Horror.
Übrigens dürfen Kinder mit Läusen nicht in die Kita, aber mit Nissen schon, weil Nissen keine lebenden Wesen sind, sondern Eier. Bei uns wurde mal ein Kind mit Läusen abgeholt. Zu Hause haben die Eltern ihm die Haare mit Läuseshampoo gewaschen und es nach einer Stunde zu uns zurückgebracht. Ein paar Tage später hatte es natürlich wieder Läuse, und dann haben die Eltern glücklicherweise beschlossen, es ein paar Tage zu Hause zu behalten, ihm noch ein paarmal die Haare zu waschen und Bettwäsche usw. auf 60° zu waschen.“
4. Welche Checklisten gibt es in Bezug auf Krankheiten bei Kindern?
„Zu dem Thema „Ist mein Kind krank?“ haben wir Plakate in der Kita, auch wieder mehrsprachig und mit Piktogrammen.
Als Eltern sollte man sich z. B. die Fragen stellen: Reagiert mein Kind beim Aufwachen? War es gestern schon zu unüblichen Zeiten müde?
Wir haben Checklisten zu Hygienemaßnahmen bei Krankheiten und Desinfektionspläne, sowohl allgemeine als auch in Bezug auf verschiedene Krankheiten. Die gibt’s beim Gesundheitsamt. Wir sind da gut aufgestellt. Wir putzen, desinfizieren, waschen Klemmbausteine in der Waschmaschine. Das ist Teil unserer Arbeit. Und natürlich haben wir auch Checklisten für Erste Hilfe.“
5. Was wünschen sich Erzieher von den Eltern?
„Elternarbeit ist genauso wichtig wie die Eingewöhnung in der Kita. Wir wünschen uns Ehrlichkeit und Vertrauen, sodass man uns sagt: „Mein Kind ist krank, ich lasse es zu Hause.“ Denn wenn Eltern lügen oder ihrem Kind vielleicht Koffeinpräparate geben, damit es fit wirkt, merken wir das sowieso und rufen nach ein paar Stunden an.“
6. Welche Auswirkungen hat es auf Kinder und Erzieher, wenn ein Kind krank in die Kita geschickt wird?
„Kranke Kinder in der Kita stehen neben sich, sind schlapp, können nicht mithalten. Wir merken das natürlich und müssen diese Kinder dann besonders im Auge behalten. Und bei über 20 Kindern in der Gruppe, von denen mehrere krank sind, kommt man dann eben kaum noch zu seiner eigentlichen pädagogischen Arbeit.
Manche Kinder legen sich einfach zum Schlafen in eine Ecke, weil sie nicht mehr können. Dann machen wir es ihnen so bequem wie möglich, achten darauf, dass sie genügend trinken, messen Fieber, und das ist ein großer Mehraufwand, weil wir dann pflegerisch tätig sind, bis die Kinder hoffentlich abgeholt werden. Kühlen dürfen wir bei Fieber nicht, weil das eine therapeutische Maßnahme ist. Bei Hämatomen und Allergien, wenn z. B. Lippen oder Hals anschwellen, dürfen wir auch kühlen.
Wir rufen fast jeden Tag mehrere Eltern an und bitten sie, ihre kranken Kinder abzuholen, weil die einfach schlappmachen oder einfach vom Stuhl fallen. Und ich finde es wirklich krass, das zu erleben. Oder ein Kind fängt plötzlich an zu schwitzen, möchte aber beim Spielen mithalten, bis es plötzlich sagt: „Der ganze Raum ist gerade ganz klein“, und ich weiß, es halluziniert, weil es Fieber hat. Als seien die Kinder high. Das ist wirklich übel.
Ein Kind mit Fieberträumen ist nicht schön. Und auch, wenn es nicht dein eigenes ist, hast du es natürlich trotzdem im Arm und bist ein paar Tage später selbst krank. Wir als Kita-Personal sind vielleicht dreimal im Jahr nicht erkältet oder krank.
Und wenn wir krank sind, beschweren sich die Eltern, dass Gruppen einen Notdienst haben oder Gruppen geschlossen werden und somit nur Kinder betreut sind, deren beide Elternteile arbeiten. Ich würde mir wünschen, dass die Eltern darüber nachdenken, warum wir so oft krank sind. Wir bekommen ja auch Fieber oder Durchfall, und dann dürfen wir eine Gemeinschaftseinrichtung nicht mehr betreten. Das gefällt uns auch nicht, denn wir denken auch an unsere Kollegen, die gerade auf dem Zahnfleisch laufen. Und wenn wir dann offiziell wieder gesund sind und zurückkommen, sind die Kollegen krank. Das ist ein unendliches Hin und Her.
Und da verstehe ich die Eltern nicht. Viele von ihnen sind zu Hause und behalten ihre Kinder trotzdem nicht bei sich, sondern schicken sie krank zu uns, damit sie ihre Ruhe haben. Und es wird gelogen: Wenn wir den Eltern sagen, dass sie ihr Kind krank bei uns abgegeben haben und das Kind erst in frühestens zwei Tagen zurück in die Kita dürfe, sind sie stinksauer und behaupten, ihr Kind sei nicht krank. Und auch, wenn wir ihnen die Werte der letzten Fiebermessungen noch mal zeigen oder sogar noch einmal messen, führt das nicht unbedingt zur Einsicht.
Abschließend: Kinder sind nicht dumm. Wenn sie merken, dass sie woanders hingebracht werden, obwohl es ihnen nicht gutgeht, kann es ab dem 4. Lebensjahr sein, dass sie ihre Eltern fragen, warum sie in die Kita müssen und nicht zu Hause bleiben dürfen, wenn sie krank sind, weil sie nicht verstehen, warum Mama oder Papa das macht.
Und da muss man die Kinder ernst nehmen. Wenn das eigene Kind krank ist, muss man sich um es kümmern, unabhängig von Konflikten mit der eigenen Arbeitsstelle oder Terminen. Das Kind hat Priorität. Da muss man auch mal mit Eltern schimpfen. Mit uns wird ja auch immer geschimpft.“
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- umfangreiche Informations- und Materialsammlungen zum Thema Infektionsschutz des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit:
https://www.infektionsschutz.de/ - Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Kopfläuse in Kita und Tagespflege:
https://www.kindergesundheit-info.de/fachkraefte/kindergesundheit-in-der-kita/kranke-kinder-in-der-kita/kopflaeuse-kita/ - Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Kita-Alltag mit einem kranken Kind (mit zahlreichen Links zu weiteren Informationen, Vorlagen und Merkblättern):
https://www.kindergesundheit-info.de/fachkraefte/kindergesundheit-in-der-kita/kranke-kinder-in-der-kita/krank-im-kita-alltag/ - Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Medikamentengabe in der Kita:
https://www.kindergesundheit-info.de/fachkraefte/kindergesundheit-in-der-kita/kranke-kinder-in-der-kita/medikamente-kita/ - Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Kita – In Notfällen richtig handeln:
https://www.kindergesundheit-info.de/fachkraefte/kindergesundheit-in-der-kita/kranke-kinder-in-der-kita/notfaelle-kita/ - Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Recht: Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) (mit vielen weiteren Informationsquellen und Links zu Merkblättern, Plakaten, Aushängen etc.):
https://www.kindergesundheit-info.de/fachkraefte/kindergesundheit-in-der-kita/kranke-kinder-in-der-kita/recht-ifsg-kita/ - Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Krankheitszeichen bei Kindern:
https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/krankheitszeichen/ - Bundesstadt Bonn: Infekte in Kita, Schule & Co.:
https://www.bonn.de/themen-entdecken/gesundheit-verbraucherschutz/infektionskrankheiten.php - Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung: Medikamentengabe in Kindertageseinrichtungen, März 2021:
https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/2898 - Das Diabetesinformationsportal: Diabetes in Kindergarten und Schule: Was gilt es zu beachten?:
https://www.diabinfo.de/leben/typ-1-diabetes/diabetes-im-alltag/kindergarten-und-schule.html - Allergien und Unverträglichkeiten – Bescheinigung zur Vorlage in der Kita:
https://www.gesund-ins-leben.de/fuer-familien/fuer-sie-und-ihr-kleinkind/allergien-und-unvertraeglichkeiten/ - Ein krankes Kind in der Kita – Wie reagiert man richtig?, 08.08.2024:
https://www.pro-kita.com/recht/gesundheit-und-hygiene/ein-krankes-kind-in-der-kita-wie-reagiert-man-richtig/ - Piecha, Martin: Die häufigsten Infektionskrankheiten bei Kindern: Ursachen, Symptome, Diagnose, Behandlung, 07.07.2023:
https://www.leben-und-erziehen.de/kind/gesundheit/infektionskrankheiten-bei-kindern-16839.html - Robert Koch Institut: Meldepflichtige Krankheiten und Krankheitserreger:
https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Meldewesen/Meldepflicht/meldepflichtige-krankheiten-und-krankheitserreger-node.html - Wagner, Christiane: Wie verhalte ich mich, wenn Eltern ihr fieberndes Kind in die Kita bringen, weil sie zur Arbeit müssen?, in Das Leitungsheft 1_2016, 9. Jahrgang, S. 14 – 15:
https://www.herder.de/kiga-heute/leitungsheft/archiv/2016-9-jg/1-2016/wie-verhalte-ich-mich-wenn-eltern-ihr-fieberndes-kind-in-die-kita-bringen-weil-sie-zur-arbeit-muessen-mitarbeiterin-fragt-kita-leitung-antwortet/
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