Übergewicht und Adipositas sind und bleiben ernste Probleme unserer heutigen Gesellschaft. Wo es Essen im Überfluss gibt und die Nahrungsmittelindustrie lieber profitiert als durch ausgewogene Produkte die Gesundheit der Bevölkerung zu stärken, ist es eben auch eine Herausforderung, all den Versuchungen und auch der eigenen Bequemlichkeit zu widerstehen. Denn auch für Erwachsene ist eine Tüte Nachos vor dem Bildschirm oft einfach verführerischer als eine frisch zubereitete Gemüsepfanne nach dem Workout.
Deswegen gibt es seit Jahren immer wieder Initiativen und Projekte, die eine ausgewogene Ernährung von Kindern fördern sowie die körperliche Betätigung steigern wollen, um so einen gesunden Lebenswandel zu fördern und Übergewicht vorzubeugen.
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Doch das ist nicht immer so einfach, denn es dauert seine Zeit, um Routinen zu überwinden, und man muss es eben erst einmal wollen und auch wissen, wie es funktioniert – nicht nur als Kind, sondern auch als Eltern oder Familie.
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie weit verbreitet Übergewicht und Adipositas im Kindesalter sind, welche Gründe es dafür gibt, wie Übergewicht sich auf Körper und Psyche auswirkt, und natürlich auch, wie Sie im Kita-Alltag Kinder und Eltern dabei unterstützen, Übergewicht vorzubeugen und gesünder zu leben.
Inhalt
1. Wie werden Übergewicht und Adipositas definiert?
2. Übergewicht und Adipositas bei Kindern in Zahlen
3. Ursachen für Übergewicht bei Kindern
4. Folgen von Übergewicht im Kindesalter
5. Was tun gegen Übergewicht bei Kindern?
5.1. 7 Tipps für eine gesunde Ernährung
5.2. 5 Tipps für das seelische Wohlbefinden
5.3. Hilfe und Ansprechpartner bei Adipositas im Kindesalter
Übergewicht und Adipositas bei Kindern in Zahlen
Laut WHO waren im Jahr 2022 gut 20 % aller erwachsenen Deutschen adipös, also stark übergewichtig (BMI über 30). Das brachte Deutschland zwar „nur“ Platz 117, doch es bedeutet erstens, dass jeder fünfte Deutsche betroffen ist, und zweitens berücksichtigt diese Rangliste keine übergewichtigen Personen mit einem BMI zwischen 25 und 30.
Interessehalber hier ein kleiner Blick auf die Zahlen anderer Länder, denn er legt die Vermutung nah, dass Übergewicht nicht nur durch die Kalorienzufuhr beeinflusst wird, sondern eben auch durch weitere Faktoren wie z. B. Nahrungszusammensetzung, Bewegung und Lebenswandel. Die Daten für den Lebensmittelverbrauch beziehen sich auf das Jahr 2018.

Die sechste Runde der europäischen COSI-Studie, die bereits seit 2007 Daten zu Übergewicht und Adipositas bei Kindern erhebt, bezieht sich auf Daten aus den Jahren 2022 – 2024 und erfasst somit auch den Einfluss der Corona-Pandemie.
Sie kommt zu folgenden Ergebnissen:
- 25 % der 7- bis 9-Jährigen sind mindestens übergewichtig, 11 % sind adipös
- in einigen südeuropäischen Ländern liegt der Anteil der adipösen Kinder bei fast 20 %
- 66 % der übergewichtigen Kinder werden von ihren Eltern als unter- oder normalgewichtig wahrgenommen
- nur knapp die Hälfte der Kinder isst täglich frisches Obst, nur knapp ein Drittel Gemüse
- weniger als 5 % der Kinder essen wie empfohlen fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag
- knapp ein Drittel der Kinder trinkt Limonaden & Co., gut 40 % essen Süßigkeiten
- an Wochentagen kommen gut 40 % der Kinder auf mehr als zwei Stunden Bildschirmzeit, am Wochenende sind es fast 80 %
Halten wir also fest: Übergewicht ist ein ernstzunehmendes und verbreitetes gesundheitliches Problem bei Kindern und auch Erwachsenen, und die besten Gegenmaßnahmen sind eine gesunde Ernährung und ausreichend körperliche Betätigung. 8.
PRO & KONTRA BODY POSITIVITY
Bereits Ende der 1960er-Jahre formierte sich in den USA die Bewegung der Fat Acceptance, die sich dafür engagierte, dass Menschen mit Übergewicht weder diskriminiert noch stigmatisiert werden. Kurze Zeit später entstand daraus die Body-Positivity-Bewegung, die seit vielen Jahren auch in Europa angekommen ist, und vor allem in den Sozialen Medien sehr präsent ist.
Sie setzt sich für Diversität und soziale Gerechtigkeit ein und befürwortet die Akzeptanz und Liebe für den eigenen Körper – gerade, weil der durchschnittliche Mensch eben nicht so dünn oder makellos ist, wie die Medien es uns seit Jahrzehnten vorgaukeln.
Zuerst einmal bedeutet der Begriff Body Positivity, dass man seinem eigenen Körper gegenüber positiv eingestellt ist. Und das ist lobenswert, denn wer sich selbst nicht liebt und akzeptiert, ist unglücklich.
Zusätzlich sollte niemand diskriminiert, gemobbt oder ausgeschlossen werden – sei es aufgrund seiner Religion, Ethnie, Einschränkung, Krankheit, seines Aussehens oder Körpers, denn es gibt keine einzige Rechtfertigung für diskriminierendes Verhalten.
Trotzdem gibt es auch Kritik an der Body-Positivity-Bewegung. Sie beschönige Übergewicht als ernstes Gesundheitsrisiko und ermutige Menschen nicht zu einem Lebensstil, der eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung beinhaltet, heißt es beispielsweise oft.
Wichtig an dieser Stelle ist die Unterscheidung: Ein übergewichtiger Mensch ist nicht fauler, dümmer, unsympathischer oder hässlicher als ein normalgewichtiger oder schlanker Mensch. Und es ist super, wenn ich mich mit 30 Kilo mehr genauso wohlfühle wie mit 30 Kilo weniger, denn ich bin ja immer noch dieselbe Person.
Doch übergewichtige Menschen leben mit einem erhöhten Risiko für Krankheiten und sind oft auch im Alltag körperlich eingeschränkter – selbst wenn wir in einer idealen Welt lebten, in der niemand aufgrund seines Gewichts oder Aussehens diskriminiert wird. Denn natürlich ist es anstrengender, mit einem Dutzend Kilo mehr Treppen zu steigen oder spazieren zu gehen, und auf Dauer oder bei ernstem Übergewicht eben auch eine Belastung für Gelenke, das Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel. Es drohen Folgeerkrankungen wie Diabetes und Schlaganfälle sowie Organschäden, und auch das Risiko für verschiedene Krebserkrankungen erhöht sich bei starkem Übergewicht.
Übergewicht ist nie gesund – genauso wenig wie Untergewicht. Wer also dauerhaft zu viel, zu wenig oder nur ungesunde Lebensmittel isst, sollte immer etwas ändern. Und das ist oft gar nicht so einfach, denn meistens steckt mehr dahinter als der Heißhunger auf Fast Food oder auch der Wunsch, ein bisschen abzunehmen, um seinem Idol zu ähneln.
Essstörungen sind ernstzunehmende Krankheiten, die mit einem immensen Leidensdruck für die Betroffenen einhergehen. Daher sind und bleiben Gewicht und Körper sensible Themen, und oft ist psychologische Hilfe erforderlich, um die Wurzel des Verhaltens und somit die eigentlichen Probleme zu erkennen und zu lösen.
Ursachen für Übergewicht bei Kindern
Für Übergewicht bei Kindern und natürlich auch Erwachsenen gibt es eine Vielzahl von Ursachen, und meistens greifen mehrere ineinander.
Mögliche Gründe für Übergewicht bis hin zu Adipositas sind:
- genetische Faktoren
- mangelnde Bewegung(smöglichkeiten)
- Einfluss von Werbung, zunehmend auch durch Influencer und somit Idole
- Essen als Belohnung oder Kompensation für negative Gefühle (meist aus tieferliegenden Gründen)
- mangelnder Zugang zu gesundem Essen durch Essverhalten oder sozioökonomische Situation der Eltern (Stichwort Armut)
- mangelndes Wissen über gesunde Ernährung, v. a. seitens der Eltern
Übrigens sieht die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) einen Grund auch in der Kita-Verpflegung, da sich nur 40 % der Einrichtungen an die von der DGE entwickelten Standards für eine ausgewogene Ernährung halten.
Folgen von Übergewicht im Kindesalter
Übergewicht ist ungesund und belastet nicht nur den Körper, sondern meistens auch die Psyche; auch, weil viele Menschen übergewichtigen Personen gegenüber diskriminierendes Verhalten und/oder Vorurteile an den Tag legen.
Nicht zuletzt wachsen übergewichtige Kinder oft zu übergewichtigen Erwachsenen heran. Und während der Körper in jüngeren Jahren noch viel verzeiht, steigen die Belastungen und gesundheitlichen Risiken mit fortschreitendem Alter – ganz davon abgesehen, dass man Gewohnheiten leichter ändern kann, wenn man früh damit anfängt.
Die folgende Grafik bietet Ihnen einen Überblick über physische, psychische und soziale Folgen von Übergewicht.

Was tun gegen Übergewicht bei Kindern?
Ein gesunder Körper braucht eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung. Beides fördern Sie als Fachkräfte bereits im Kita-Alltag. Doch wenn weder Eltern noch Kindern bewusst ist, dass Pommes und Playstation nicht die besten Freunde eines gesunden Lebensstils sind, können Sie leider trotzdem wenig ausrichten: Den Großteil der Zeit verbringen die Kinder mit ihren Familien, und wenn die Kleinen älter werden, kümmert sich unser Bildungssystem immer weniger um deren gesunden Lebenswandel.
Hinzu kommt, dass viele Kinder eben nur das mögen und essen, was sie kennen. Wer noch nie Rohkost geknabbert oder einen Obstteller serviert bekommen hat, greift eben eher zu Schokolade oder Chips – vor allem, wenn diese Dinge eben verfügbar sind (und nicht erst geschnippelt werden müssen).
Folglich ist es immer ratsam, die Erziehungsberechtigten mit ins Boot zu holen. Am einfachsten ist es, wenn Sie Ihr Konzept für gesunde Ernährung und motorische Förderung bereits im Rahmen der Besichtigungstermine oder Kennenlern-Tage vorstellen.
Da auch viele Erwachsene keine genaue Vorstellung davon haben, was eine gesunde Ernährung ausmacht, bietet sich außerdem ein Info-Abend an. So kommen Sie ins Gespräch und verschaffen sich einen Überblick, welche Einstellungen und Gewohnheiten die Eltern mitbringen. Dort können Sie dann ggf. ansetzen, um Aufklärungsarbeit zu leisten oder Impulse zu geben.
Hören Sie erst einmal zu, statt zu belehren. Nur so erfahren Sie die Hintergründe. Unwissenheit ist kein Verbrechen: Manche Menschen sind vielleicht der Meinung, frisches Gemüse sei zu teuer, weil sie nicht alle Angebote in ihrer Umgebung kennen. Andere glauben, dass Kinder jeden Tag Fleisch brauchen, um groß und stark zu werden, und man ohne Fett keinen Geschmack ans Essen bekommt. Viele Menschen greifen aus Gewohnheit zu Weizen- statt Roggenmehl, obwohl ihnen beides schmeckt. Und wer von uns ist nicht schon mal auf clevere oder auch plumpe Werbung hereingefallen?
Vielleicht sind sogar noch einige der Meinung, dass man seinen Teller leer essen muss. (Der unsägliche Spruch mit dem schlechten Wetter beruht übrigens auf einem Übersetzungsfehler aus dem Plattdeutschen: „wedder“ heißt „wieder“, nicht „Wetter“. Wer aufisst, bekommt also am nächsten Tag wieder etwas Gutes und beschwört keinen Regen oder Schlimmeres herauf.)
Tipp: Taten und Erfahrungen überzeugen nachhaltiger als Worte. Wenn Sie also eine Projektwoche rund um gesunde Ernährung und Bewegung organisieren, laden Sie die Eltern abschließend ein. So entdecken sie vielleicht gemeinsam mit ihren Sprösslingen leckere neue Rezepte und versuchen sich an verschiedenen Fitnessstationen.
Doch all das sind bei Adipositas lediglich die ersten Schritte. Um dauerhaft abnehmen und sein Gewicht halten zu können, braucht man immer eine Ernährungsumstellung und im besten Fall auch neue Sportroutinen, damit man Muskeln aufbaut, anstatt sie im schlimmsten Fall zu verlieren.
Das ist sogar für viele Erwachsene eine große Herausforderung, selbst wenn sie rational wissen, dass diese Umstellung erforderlich ist. Wenn Kinder keine Hilfe bekommen, sind sie machtlos gegen ihre Pfunde. Nur wenn ihre Familie mit ihnen an einem Strang zieht, können sie Erfolg haben.
Tipp: Wenn Sie den Eindruck haben, dass eine Familie ärztliche Unterstützung braucht, sprechen Sie das an und vermitteln Sie. Auch wenn der Adipositas keine psychischen Ursachen zugrunde liegen sollten, ist eine professionelle Begleitung immer ratsam. Zudem gibt es auch viele Ernährungsberater, die sich auf Kinder spezialisiert haben. Informieren Sie also gern die Erziehungsberechtigten über Hilfsangebote.
7 Tipps für eine gesunde Ernährung
Man will meinen, dass gesunde Ernährung keine Raketenwissenschaft ist, doch viele Menschen haben sich mit dem Thema aus verschiedensten Gründen noch nie oder nur am Rande befasst, oder wollen es erst gar nicht.
Kindern gegenüber ist das unverantwortlich, denn sie verdienen die Chance auf einen möglichst gesunden Start in ein eigenverantwortliches Leben. Daher haben wir hier 7 Tipps für Sie gesammelt, mit denen Sie Ihren Kleinen eine gesunde Ernährung schmackhaft machen.
1. Informieren und Sensibilisieren
Erkunden Sie zusammen mit den Kleinen die Welt der Lebensmittel: Was macht gute und schlechte Lebensmittel aus, woran erkennt man sie? Warum sind Vitamine und Ballaststoffe wichtig? Warum sollte man wenig Zucker, Salz und Fett essen – und warum schmecken Speisen, die zu viel davon haben, uns meistens besonders gut?
Klären Sie die Kinder nach Möglichkeit auch über die gesundheitlichen Folgen einer ungesunden Ernährung auf – oder eben auch nur über die Vorteile einer ausgewogenen Ernährung. Die besten kindgerechten Ergebnisse erzielen Sie wahrscheinlich durch Taten: indem Sie mit den Kindern regelmäßig etwas richtig Leckeres zubereiten und es anschließend gemeinsam genießen.
Tipp: Informieren Sie auch die Eltern und eruieren Sie, welche Gründe die Familien für ihre vielleicht nicht ganz ideale Ernährung haben. So können Sie anschließend Lösungen finden: Vielleicht gibt es um die Ecke doch einen erschwinglichen orientalischen Supermarkt, eine Tafel oder im Supermarkt gen Ladenschluss Reduktionen auf frische Produkte? Oder aber die Eltern wissen zu wenig, möchten das aber ändern: Dann bietet sich auch ein Expertenbesuch für einen Elternabend an. Auch gemeinsames Kochen oder die Erstellung eines gesunden Rezeptbüchleins kann eine große Hilfe sein. Und wenn Sie erst einmal ins Gespräch kommen, wird Ihnen bestimmt noch eine ganze Menge mehr einfallen, um beim Thema Ernährung Erste Hilfe zu leisten.
2. Bewusst und unabgelenkt essen
Wer nebenher snackt oder isst, z. B. vor dem Bildschirm, konzentriert sich nicht aufs Essen. Somit merkt man weder, was man genau isst, noch, wann man wirklich satt ist. Gemeinsame Mahlzeiten und genug Ruhe während des Essens entschleunigen den Alltag und geben den Kindern die Gelegenheit, sich auf den Moment zu konzentrieren.
Experimentieren Sie auch gern ein wenig, um die Aufmerksamkeit der Kinder auf das Essen zu richten, z. B. indem Sie „neue“ Lebensmittel oder exotische Früchte mit verbundenen Augen probieren und Bekanntes erschmecken, oder auch mithilfe von Thementagen („Heute essen wir nur Rotes/Speisen aus Äpfeln/Lebensmittel, die mit K beginnen.“). So erleben die Kinder Essen immer wieder neu und erweitern gleichzeitig ihren Horizont.
3. Neues ausprobieren
Was man nicht kennt, findet man anfangs nicht so toll. Und das ist ja auch verständlich. Bieten Sie den Kindern trotzdem immer wieder neue Anreize, z. B. durch internationale Rezepte, ungewöhnliche Kombinationen, ansprechende Gestaltung oder gesunde Alternativen zu beliebten Speisen.
Dadurch verinnerlichen die Kinder, dass es Spaß macht, mutig zu sein und sich überraschen zu lassen. Gleichzeitig lernen sie eine Menge und werden bestenfalls selbst kreativ, z. B. bei der Gestaltung witziger Frühstücksgesichter mithilfe von Gemüse.
4. Alternativen entdecken
Oft reicht es, beliebte Speisen ein wenig abzuwandeln. Wer Pommes liebt, wird durch das Mümmeln von Linsenwaffeln bestimmt nicht glücklich. Aber die Zubereitung diverser Speisen auf einem Backblech oder in einer Heißluftfritteuse statt in siedendem Öl macht bereits einen enormen Unterschied.
Auch beim Thema Süße lohnt es sich, ein wenig zu variieren: Gibt es alternative Produkte oder Zubereitungsformen, die mit weniger Zucker auskommen? Gerade für Industriezucker gibt es eine Menge Alternativen, z. B. Honig, Agavendicksaft, Ahornsirup, Apfelmark, Erythrit oder Stevia.
Außerdem macht auch Not erfinderisch: In der Kriegs- und Nachkriegszeit wurden viele Rezepte abgewandelt, weil z. B. Butter Mangelware war. Ein Schuss Mineralwasser im Rührei ersetzt Milch oder Sahne. Experimentieren Sie also gern ein wenig mit den Kindern und lassen Sie sich gemeinsam überraschen, welche leckeren und gesünderen Alternativen zu beliebten Speisen es gibt.
Achtung: Lightprodukte sind nicht zwangsweise gesund. Am besten ist immer die frische Zubereitung von Lebensmitteln statt der Griff zu Fertigprodukten mit Zusatzstoffen.
5. Frisch kochen
Fertigprodukte enthalten meistens eine lange Liste an Zusatzstoffen sowie viel Zucker, Salz oder Fett. Selbst zubereitete Mahlzeiten aus frischen Zutaten enthalten außerdem mehr Nährstoffe. Wer häufig oder ausschließlich Fertigprodukte konsumiert, wird sich wahrscheinlich mit dem Geschmack eines frisch gekochten Essens ohne Zusatzstoffe erst einmal schwer tun; umgekehrt natürlich genauso.
Es ist zweifelsfrei bequemer, schnell mal was in die Mikrowelle zu schieben, und das ist auch okay, solange es die Ausnahme bleibt. Mit ein wenig Routine kann man eben auch gesundes Essen für mehrere Tage zeitsparend vorbereiten und im Laufe der Woche nach Bedarf aufwärmen.
Bieten Sie also Ihren Kindern möglichst oft das Erlebnis des gemeinsamen Kochens. So lernen sie eine Menge über gesunde Ernährung und verschiedene Lebensmittel, finden heraus, was ihnen schmeckt, und haben nebenbei eine Menge Spaß.
Tipp: Wenn Sie das Gefühl haben, es könne sich lohnen, auch den Eltern gesundes Kochen nahezubringen, planen Sie einen kleinen Workshop oder ein Kochevent. Vielleicht gibt es auch engagierte Familienmitglieder, die gern einen Kochkurs für die anderen Erziehungsberechtigten anbieten.
6. Routinen und Verhaltensweisen überdenken
Es ist wie bei so vielen Dingen: Unser eigenes eingeübtes Verhalten oder das vorgelebte Verhalten anderer und unsere Routinen hinterfragen wir meistens nicht. Das ist halt so, das haben wir immer so gemacht, das gefällt uns und ist bequem, im Gegensatz zu möglichen Veränderungen.
Denken Sie gemeinsam mit Ihren Kindern über Essen nach:
- Warum essen wir?
- Wie fühlt sich Hunger an, woran merken wir, dass wir satt sind?
- Was macht ein gutes Essen aus, was ist kein gutes Essen – und warum?
- Was essen die Kinder am liebsten, und wie gesund ist es?
- Wann und wie essen die Kinder, welchen Stellenwert hat Essen in der Familie?
- Was ist Heißhunger und in welchen Momenten packt er uns?
So lernen Sie nicht nur das Essverhalten Ihrer Kinder besser kennen, sondern bringen ihnen auch einen bewussteren Umgang mit dem Thema bei. Mit ein wenig Hilfe gelingt es auch Kindern, auf ihren Körper zu hören und zu entdecken, dass hinter dem Wutanfall darüber, jetzt keine Schokolade zu bekommen, vielleicht etwas ganz anderes steckt.
7. Auf den eigenen Körper hören
Was tut mir gut, wann bin ich satt, wie fühle ich mich nach dem Genuss bestimmter Lebensmittel? Die Fragen klingen simpel, doch für viele Menschen ist Essen entweder eine Nebensache, Notwendigkeit oder Routine, die sie nicht hinterfragen. So entgeht einem vielleicht auch, dass man nicht aus Hunger, sondern Langeweile, Einsamkeit, Trauer, Stress oder Wut isst – oder eben einfach nur, weil die Gelegenheit da ist.
Unterstützen Sie Ihre Kleinen also gern dabei, in sich hineinzuhören. Dabei helfen verschiedene Ansätze:
- das tägliche Angebot eines frischen, gesunden Frühstücks- oder Snack-Büfetts, an dem sich alle jederzeit bedienen können
- das gemeinsame Einkaufen und Zubereiten von Speisen
- Aufklärung über Inhaltsstoffe und ihre Wirkweise
- Mediation, Yoga, Autogenes Training u. Ä. für eine Verbesserung der eigenen Wahrnehmung
- das Sprechen über negative Gefühle
- das gemeinsame Herausfinden von individuellen Coping-Strategien für Stresssituationen
- das Hinterfragen von Routinen und Nachdenken über den Stellenwert des Essens
- einen Blick in andere Zeiten oder Länder werfen, in denen Essen vor allem dem Überleben dient, da nicht ausreichend und oft auch nur (oder noch nicht einmal) Grundnahrungsmittel zur Verfügung stehen
Ideen rund um gesundes Essen für kleine Feinschmecker finden Sie auch in unserem Blogbeitrag Gesunde Ernährung (nicht nur) im Kindergarten: So machen Sie Kindern gesundes Essen schmackhaft.
5 Tipps für das seelische Wohlbefinden
Für die meisten Menschen ist es gar nicht so einfach, sich wohl und gut zu fühlen. Wir alle haben meistens etwas im Hinterkopf, das uns belastet. Das kann eine verzwickte Lebenssituation sein, ein negatives Selbstbild, eine (psychische) Erkrankung oder auch nur eine kurzfristige Sorge, die uns nicht loslässt.
Natürlich haben auch Kinder Sorgen, ob sie nun übergewichtig sind oder nicht. Und selbst, wenn sie im besten Fall rundum glücklich sind: Das Gute an seelischem Wohlbefinden ist ja, dass man nie zu viel davon haben kann. Daher haben wir hier 5 Impulse für die kleine Extra-Portion Glück im Kita-Alltag.
1.Resilienz stärken
Wer eine hohe Resilienz hat, kommt leichter durchs Leben. Je früher Kinder mit den dazugehörigen Strategien in Berührung kommen, umso eher werden sie später Profis darin.
Resilienz beruht auf 7 Faktoren:
- Selbstbewusstsein
- Kontaktfreude
- Gefühlsstabilität
- Optimismus
- Handlungskontrolle
- Realismus
- Analysestärke
Natürlich sind Kita-Kinder oft noch zu klein, um Erfolge und Misserfolge wirklich wahrzunehmen, geschweige denn zu reflektieren, und auch Selbstbewusstsein kommt häufig erst mit den Jahren. Trotzdem sollten Sie offene Augen und Ohren haben, wenn ein Kind sehr pessimistisch ist, sich negativ über sich selbst äußert oder starke Stimmungsschwankungen an den Tag legt.
Dann ist es nicht nur an der Zeit, dieses Verhalten zu hinterfragen, sondern im optimalen Fall zugunsten des Kindes zu ändern. Die Ansätze dafür können ganz unterschiedlich ausfallen: eine halbe Stunde toben, kuscheln, vorlesen oder Snoezelen-Raum, ein Gespräch, ein Fokus auf die schönen Dinge des Tages, ein Kompliment oder das gemeinsame Finden einer Lösung.
Mehr zum Thema inklusive praktischer Übungen zur Stärkung der Resilienz lesen Sie in unserem Beitrag Resilienz fördern: Wie Sie Ihren Kindern dabei helfen, psychische Widerstandskraft zu entwickeln.
2. Körperliche Betätigung
Sport und Bewegung setzen Endorphine frei und erhöhen immer das Wohlbefinden. Verbringen Sie Zeit an der frischen Luft, machen Sie Ausflüge oder Erlebnistage, organisieren Sie eine kleine Olympiade im Außenbereich oder denken Sie über die Anschaffung neuer Spiel- und Sportgeräte nach. Auch Yoga und Tanzen sind tolle Alternativen, wenn das Wetter mal nicht mitspielt. Je mehr Bewegung Sie in den Alltag der Kinder integrieren, umso selbstverständlicher wird sie für die Kleinen – und umso besser ist es für ihre Gesundheit.
3. Schöne Dinge tun
Wenn einem nichts mehr Spaß macht, ist es schlimm um die Psyche bestellt. Finden Sie also heraus, was den Kindern Freude macht. Bringen Sie sie zum Lachen, überraschen Sie sie, planen Sie gemeinsame Aktivitäten und Ereignisse, auf die sie sich schon im Vorfeld freuen können.
Denn manchmal braucht es für das seelische Wohlbefinden auch einfach nur Ablenkung. Bei einem Besuch auf dem Bauernhof oder während der Himbeerernte im Kita-Garten vergessen vielleicht auch unglückliche Kinder für ein paar Momente, was sie ansonsten bedrückt.
4. Kleine Schritte für große Ziele
Wer zu viel auf einmal will, wird wahrscheinlich scheitern, weil er aus Enttäuschung zu schnell aufgibt. Durchhaltevermögen ist für das Erreichen der meisten Ziele unabdingbar – und da ist eben jeder Tag, an dem man darauf hinarbeitet, ein Teilerfolg. Das gilt eben bei jedem Thema, denn wie oft sind wir hingefallen, bevor wir laufen konnten, und wie viele Versuche braucht ein Kind vielleicht, bis es eine Turnübung schafft oder der gebaute Turm nicht umkippt?
Wichtig ist, die kleinen Erfolge wahrzunehmen und nicht aufzugeben. Bestärken Sie Ihre Kinder also darin, was sie schon toll können, und machen Sie ihnen immer wieder Mut. Wenn sie sehen, dass jemand an sie glaubt und sie unterstützt, werden die Kinder die Erfahrung machen, dass Durchhalten sich lohnt, weil Erfolge Zeit benötigen.
Überträgt man diese Gedanken auf das Thema Übergewicht, müssen wir ein wenig in die Zukunft schauen, denn Kindergartenkinder werden und sollen natürlich nicht auf eigene Faust eine Gewichtsreduktion planen und umsetzen.
Doch wenn das Ziel bei älteren Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen Abnehmen oder Ernährungsumstellung heißt, zählen ebenfalls die kleinen, vielleicht noch nicht einmal messbaren Erfolge, denn die Waage ist aus folgenden Gründen kein guter Ratgeber:
- Das Gewicht schwankt im Laufe des Tages.
- Gewichtsabnahme, vor allem in gesundem Maß, braucht Zeit und verläuft nicht linear.
- Muskelmasse wiegt mehr als Fett, und da man im Idealfall Muskelmasse auf- und Fett abbaut, kann die Zahl auf der Waage zwischenzeitlich stagnieren.
Statt auf das Körpergewicht zu achten, sind andere Faktoren ausschlaggebend:
- Fühle ich mich besser, fitter, wacher, konzentrierter, gesünder?
- Sinkt der Taillenumfang oder der Körperfettanteil?
- Ändert sich mein Körperempfinden oder auch mein Hungergefühl? Werde ich schneller satt oder merke zum ersten Mal, dass ich bereits satt bin, und höre dann auf zu essen?
- Passe ich in ein Kleidungsstück, das ich lang nicht mehr anziehen konnte?
- Habe ich mehr Ausdauer bei körperlicher Betätigung?
• Gibt es mir ein gutes Gefühl, statt eines Burgers mit Pommes eine vollwertige Mahlzeit gegessen zu haben?
Achtung: Völliger Verzicht frustet, Kinder nachvollziehbarerweise noch viel mehr als Erwachsene, und Verbote sind wenig sinnvoll. Man darf sich natürlich auch mal etwas gönnen, denn sonst besteht schnell die Gefahr, in ein neues pathologisches Essmuster zu fallen. Verteufeln Sie also kleine Sünden nicht, auch wenn Sie selbst sehr diszipliniert sind und niemals in einen Donut beißen würden.
Das Allerwichtigste ist auch bei einer gesunden Ernährung, am Ball zu bleiben und Maß zu halten: Wer nach einer Fressattacke das Gefühl hat, jetzt sei alles umsonst gewesen, man schaffe es eh nicht, und dann wieder in alte Gewohnheiten fällt, macht sich das Leben schwer. Ausrutscher sind verzeihlich. Im besten Fall helfen sie dabei, die Ursachen für dieses Verhaltensmuster herauszufinden.
5. Sich auf die eigenen Stärken besinnen
Wir alle sind nicht unser Gewicht, unsere Macken, unsere Fehler. Jedes Kind kann etwas besonders gut und hat Eigenschaften, die andere an ihm schätzen.
Finden Sie gemeinsam heraus, was die Kinder an sich selbst und anderen mögen – und auch, was sie vielleicht nicht so toll finden. Denn das ist ein guter Ansatz, um Selbst- und Fremdwahrnehmung abzugleichen und mit sich selbst vielleicht ein wenig nachsichtiger zu sein.
Wie immer ist es zielführender und gesünder, sich auf das Positive zu konzentrieren, statt dem (vermeintlich) Negativen zu viel Raum zu gewähren.
Tipp: Um die eigenen Stärken herauszufinden, brauchen Kinder die Möglichkeit, sich auszuprobieren. Bieten Sie Ihnen also immer wieder spannende neue Anreize, indem Sie experimentieren, zaubern, tanzen, singen, neue Spiele, Projekte und Aktivitäten austesten – und vor allem viel Spaß dabei haben.
Hilfe und Ansprechpartner bei Adipositas im Kindesalter
Für Eltern adipöser Kinder ist der Kinderarzt immer ein guter erster Ansprechpartner, denn er verfügt nicht nur über Fachwissen, sondern kann auch an weitere Fachleute wie Ernährungsberater verweisen, die der Familie mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Im Rahmen der Begleitung können so die Ursachen für die Fettleibigkeit oder das ungesunde Essverhalten aufgedeckt werden, sodass auch psychologische Hilfe durch Einbeziehung weiterer Experten erfolgt.

Kamishibai-Bildkarten, Du nicht!

Bewegungslandschaft Wild Climber

Mahlzeit! Der Kita-Speiseplan in Bildern
Lesen Sie mehr:
- Webseite der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kinder- und Jugendalter der Deutschen Adipositas-Gesellschaft e. V.:
https://adipositas-gesellschaft.de/aga/ - KiESEL – Kinder-Ernährungsstudie zur Erfassung des Lebensmittelverzehrs:
https://www.bfr.bund.de/kiesel-studie/ - BMI-Tabellen nach Alter und Geschlecht:
https://www.bmirechnerkind.com/bmi-tabelle/ - Prävention von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen, 27.05.2025 (mit umfangreicher Linksammlung):
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/kindergesundheit/praevention-von-kinder-uebergewicht.html - Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin: „Mein Kind ist zu dick“:
https://www.dgkj.de/eltern/dgkj-elterninformationen/elterninfo-uebergewicht/ - Webpräsenz des Projekts „Gesunde Kita NRW – Modul Pluspunkt Ernährung“:
https://gesunde-kita-nrw.de/ - Grzegorek, K., Lapper, J.: Gründe für Übergewicht bei Kindern, 29.11.2023:
hhttps://www.apotheken-umschau.de/familie/kinderernaehrung/keine-leichte-sache-1014679.html - Studie: Erhöhter Taillenumfang erhöht schon bei Kindern das Krankheitsrisiko, 26.08.2013:
https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/studie-erhoehter-taillenumfang-erhoeht-schon-bei-kindern-das-krankheitsrisiko/ - L., Kura: Was kommt nach dem Body Mass Index?, März 2025:
hhttps://www.zeitschrift-sportmedizin.de/was-kommt-nach-dem-body-mass-index-kritik-alternativen/ - Übersicht und Themenschwerpunkt Adipositas und Übergewicht auf der Webseite des Robert-Koch-Instituts:
https://www.rki.de/DE/Themen/Nichtuebertragbare-Krankheiten/Koerperliche-Gesundheit/Adipositas-und-Uebergewicht/adipositas-und-uebergewicht-node.html - Robert-Koch-Institut: Schuleingangsuntersuchungen als kleinräumige Datenquelle für ein Monitoring der Kindergesundheit am Beispiel Adipositas, Journal of Health Monitoring 2023 8(2), 14.06.2023:
https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/11124/JHealthMonit_2023_02_Schuleingangsuntersuchungen.pdf?sequence=1&isAllowed=y
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