Selbstbewusstsein, Resilienz und Emotionsregulation sind alles Wesenszüge, die Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer Kindern als Werkzeuge fürs Leben mitgeben möchten. Aber wie lässt sich das am besten umsetzen? Affirmationen sind dafür ein guter Ansatzpunkt.
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In diesem Gastbeitrag erfahren Sie, wie Sie Affirmationen im Kinderalltag anwenden, um Ihren Schülerinnen und Schülern die große, wichtige Lektion zu erteilen: Glaub an dich selbst!
Inhalt
1. Affirmationen und alles, was Sie darüber wissen müssen
1.1 Wie werden Affirmationen gebildet?
1.2 Do’s
1.3 Don’ts
Beispiele:
- Ich bin toll!
- Ich bin heute fleißig!
- Ich bin wertvoll!
- Ich schaffe das!
Don’ts
- Vergleich mit anderen: Auch der Vergleich mit anderen Kindern kann in Bezug auf Affirmationen zu Frustration führen, da dem Unterbewusstsein erlaubt wird diese zu diskreditieren. Eine Aussage wie „Ich bin schneller als …“ kann sich negativ auf die Selbstwirksamkeit des Kindes auswirken, wenn diese Aussage widerlegt wird.
- lange/ungenaue Formulierungen: Je länger und unpräziser die Aussage, desto schwieriger kann das Unterbewusstsein auf die Affirmationen zugreifen und annehmen.
- Verneinungen (z. B.: nie, keine, ohne): Verneinungen verkomplizieren Aussagen und bieten dem Unterbewusstsein eine Angriffsfläche zur Diskreditierung der Affirmationen.
Beispiele:
- Ich versuche heute kreativ zu sein!
- Ich bin nicht dumm!
- Ich bin so toll wie meine Freunde!
Wie wirken Affirmationen?
Das menschliche Unterbewusstsein agiert auf eine Art, die im ersten Moment nicht intuitiv erscheint: „Ich bin heute nicht ängstlich!“ vermittelt Ihnen die gleiche Information wie „Ich bin heute mutig!“. Wo liegt also der Unterschied? Um die erste Aussage sinnvoll verarbeiten zu können, muss das Unterbewusstsein sich zunächst mit dem Zustand „ängstlich“ auseinandersetzen und diesen dann umgehen. Bei der letzteren Formulierung spielt der negative Gegenpart von „mutig“ keine Rolle. Dadurch entsteht der Effekt, dass das Unterbewusstsein eine positive Annahme ohne Wenn und Aber in die Tat umsetzen kann.
„Du bist mutig!“ kann unser Unterbewusstsein nur als Annahme einer anderen Person über uns selbst verarbeiten. Auch diese Art des Zuspruchs ist wichtig, aber nicht das, worauf Affirmationen abzielen.
„Ich werde mutig sein!“ beschreibt lediglich einen Zustand, der in der Zukunft liegt. Das Unterbewusstsein versteht den Zustand daher nicht als aktuelle Realität.
Durch die Wiederholungen werden Affirmationen als langfristige Glaubenssätze ins Unterbewusstsein übernommen. Die Verhaltensweisen, die wir bereits als Kinder erlernen nehmen wir auch ins Erwachsenenalter mit. Ziel ist es, dass Ihre SuS lernen, durch emotional stressige Situationen zu reagieren, ohne die Fassung zu verlieren. Dadurch ergibt sich ein gestärktes Selbstbewusstsein. In schwierigen Situationen nicht den Kopf zu verlieren, verstärkt den Glauben an die eigenen Kompetenzen. Auch wird dadurch eine Resilienz gefördert, denn anstatt zu verzweifeln lernen die Kinder, sich aktiv mit ihren Gefühlen auseinanderzusetzen und sich auch von großen Emotionen nicht übermannen zu lassen. Langfristig wird daraus ein Werkzeug, mit dem Kinder lernen, sich selbst Halt zu geben.
Um aber tatsächlich eine positive Wirkung zu haben, sollten Sie darauf achten, dass es sich um erstrebenswerte und realistische Affirmationen handelt. Behalten Sie auch im Hinterkopf, dass das Langzeitziel zwar eine geübte Selbstregulation sein soll, Kinder aber trotzdem bei der Einordnung von Gefühlen, neuen Erfahrungen und Ängsten Unterstützung brauchen.
Sollten Sie genauer an der Wirksamkeit von Affirmationen interessiert sein, finden Sie in den Lesetipps eine Studie, die in einem zweiwöchigen Experiment genau das untersucht hat. Um die Wirksamkeit zu erforschen, wurden zwei Gruppen mit Probandinnen und Probanden gebildet, die Affirmationen angewendet haben, um das eigene Selbstwertgefühl zu steigern. Bereits nach diesem kurzen Zeitraum konnten in beiden Gruppen positive Auswirkungen festgestellt werden.
Möglichkeiten zur Umsetzung
Affirmationen werden auf verschiedene Arten eingesetzt. Sie sind als Bestandteil einer Routine verwendbar oder als situative Emotionsregulation. Wie Sie das mit Ihren Schülerinnen und Schülern umsetzen, lesen Sie nachfolgend.
Affirmationen als Routine-Bestandteil
Affirmationen wirken besonders gut, wenn sie regelmäßig wiederholt werden. Daher bietet es sich an, sie als einen Routine-Bestandteil in den Tagesablauf der Klasse einzubinden.
Affirmationskarten sind eine beliebte Methode, um Kindern Affirmationen auf spielerische Art nahezubringen. Häufig bestehen sie aus verspielten Farben und Tiermotiven.
Erarbeiten Sie mit Ihrer Klasse zum Beispiel Affirmationen, die Sie gemeinsam auf kunstvoll gestaltete Karten schreiben. Um Ihre Schülerinnen und Schüler dabei zu unterstützen, haben wir Ihnen eine Anleitung als kostenlosen Download zusammengestellt. Um die Kinder dabei zu unterstützen, Affirmationen zu bilden, die wirklich hilfreich und persönlich sind, bietet es sich an, mit Vorlagen zu arbeiten, die den Gedankenprozess der Kinder anstößt. Für den Bastelspaß brauchen Sie nichts weiter, als Bastelkarton, ein paar Farben und die ein oder andere Verzierung.
Für Schülerinnen und Schüler ist es nicht immer leicht, ihre Emotionen zu benennen, da auch dies Übung braucht. Hierfür können Sie in Ihrem Klassenraum gestalterische Maßnahmen ergreifen: Spannen Sie z. B. eine Leine und hängen Sie daran Abbildungen von verschiedenen Emotionen auf. Nun erhält jedes Kind eine Wäscheklammer mit seinem Namen und kann diese je nach Tag und Gemütszustand verschieben. Durch die Reflexion über das eigene Empfinden lernen die Kinder nicht nur ihre Emotionen zu benennen, sondern auch sich überhaupt mit diesen auseinanderzusetzen.
Eine tolle Alternative zu den kurzen Affirmationen sind kleine Reime, die die Kinder in Gruppenarbeiten zusammenstellen und dann morgens zur Begrüßung als Ritual aufsagen, um gemeinsam den Tag positiv zu beginnen.
Zahlreiche Tipps und Tricks für erfolgreiches Arbeiten in der Gruppe finden Sie auch in unserem Beitrag: Placemat: Mit dieser Methode fördern Sie Kooperatives Lernen.
Achten Sie unbedingt darauf, dass die Kinder selbst daran beteiligt sind, die Affirmationen zu formulieren. Schülerinnen und Schüler müssen die Möglichkeit haben, positive Botschaften zu verfassen, die ihnen wichtig sind und sich für sie passend anfühlen. Durch Gruppenarbeit kommen die Kinder meist auf einen gemeinsamen Konsens und stärken mit gemeinsam entwickelten Affirmationen nicht nur das eigene Selbstwertgefühl, sondern auch das Gruppengefühl.
Machen Sie die gemeinsam erarbeiteten Sätze doch nach Absprache auch für alle im Klassenraum sichtbar. Hierfür bietet sich beispielsweise ein Spiegel an, den Sie z. B. mit Kreidestiften beschriften. So werden die Kinder bei jedem Blick in den Spiegel an die positiven Glaubenssätze erinnert und der Klassenraum bekommt eine persönliche Note.
Affirmationen als situative Emotionsregulation
In emotionalen Stresssituationen ist es hilfreich, sich über seine Emotionen bewusst zu werden und diese in die gewünschte Bahn zu lenken. Hierbei helfen Affirmationen, auch wenn sie grundsätzlich für eine langfristige Anwendung ausgelegt sind. Der erste Schritt zu einer Lösung besteht daraus, den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, ihre Emotionen zu benennen und dann den Grund dafür herauszufinden.
Stellt sich z. B. heraus, dass eine Schülerin oder ein Schüler ängstlich ist wegen dem nächsten Test, lässt sich mithilfe von Affirmationen genau dort ansetzen. Durch das Aufsagen von positiven Glaubenssätzen in akuten Stresssituationen wird das Unterbewusstsein beruhigt. „Ich schaffe das!“ und „Ich bin gut vorbereitet!“ sind Sätze, die in solchen Situationen helfen. Anstatt sich auf negative Szenarien zu fokussieren und die Angst weiter zu schüren werden die Emotionen so zurück in eine positive Bahn geleitet.
Zusätzlich wird ein Abstand von der Situation erstellt, der es ermöglicht, sie neu zu bewerten. Trotzdem geht es nicht darum, negative Emotionen zu verdrängen. Vielmehr ist das Ziel, gesunde Strategien zu erlernen, die den Umgang mit schweren Emotionen vereinfachen. Durch die Anwendung von Affirmationen wird verhindert, dass Schülerinnen und Schüler von ihren Emotionen überfordert sind und sich gelähmt fühlen.
Nutzen Sie doch auch in solchen Situationen die gemeinsam erarbeiteten Affirmationen. Dadurch besteht kein Zweifel daran, dass die Kinder sich mit den Affirmationen identifizieren können. Behalten Sie trotzdem im Hinterkopf, dass es Übung braucht, sowohl für Sie als auch für die Kinder, erfolgreich die eigenen Emotionen zu regulieren. Nicht nur die Affirmationen müssen für den Moment stimmig sein, die Schülerinnen und Schüler müssen in erster Instanz in der Lage sein ihre Emotionen zu benennen.
Anschauliche Beispiele
In der Pop-Kultur sind Affirmationen bereits erfolgreich angekommen. Sogar Snoop Dogg, eigentlich bekannt für seine musikalischen Leistungen im Rap-Genre, hat ein Kinderlied geschrieben, das aus kinderfreundlichen Affirmationen besteht. Wenn Sie nach einem deutschsprachigen Äquivalent suchen, bietet sich das Mutmachlied von Minimusiker, Doodleteacher an.
Oder Sie tauchen mit Ihren SuS in die emotionale Welt der EDURINO Figur Leo ein. Hier werden Kindern mit Spiel und Spaß positive Glaubenssätze nahegebracht.
Vielleicht singen ja auch Sie schon demnächst mit Ihrer Klasse Ihre eigenen Affirmations-Reime. Viel Spaß beim Ausprobieren!
Spiel Gesichtsausdrücke
Emotionssteine
EDURINO Figur Leo “Meine Gefühle“
Lesen Sie mehr:
Baisch-Zimmer, S. u. Petrig, G.: Kinder-Mentaltraining: Kinder für das Leben stärken. Mit vielen Übungen und »Bärenstarken Gedanken« (1. Aufl.). Beltz Verlagsgruppe, 2011
Hofmann, M. u. Schütz, K.: Effekte einer positiven Affirmationsintervention auf psychische Befindlichkeiten, In: Journal of Business and Media Psychology, 2010:
https://journal-bmp.de/effekte-einer-positiven-affirmationsintervention-auf-die-psychische-befindlichkeit/
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© Lena Hofmann
Lena Hofmann ist ursprünglich gelernte Bankkauffrau. Aktuell orientiert sie sich neu, denn Themen rund um Kultur, Zeitgeschehen, Geschichte und Pädagogik liegen ihr besonders am Herzen. Sie studiert Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte in Bochum. Affirmationen sind ein Sujet, das sie auch in ihren persönlichen Alltag einbindet und mit dem sie sich leidenschaftlich auseinandersetzt.








